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Der Harzjäger

| Räuchern | 22. Mai 2015

Wenn ich die Natur betrachte, dann eher auf den zweiten Blick. Mit dem ersten, da scanne ich das Umfeld genau nach Brauchbarem ab. Erstmal kommt der ‚Räucherblick‘, und da werden verwendbare Blüten, reife Kräuter, saftige Blätter, schrundige Rinden, passende Früchte und harter Harz ins Auge gefasst. Da schlägt der Sammler voll durch, denn immer wieder gilt es Bestände in der Räucherwerkstatt aufzufüllen und Vorrat zu schaffen.
Und dann kommt der Künstler, der verformtes Holz in allen Variationen und Steine in den verschiedensten Erscheinungsformen sucht und findet.

Und immer wieder ergeben sich lustige Geschichten, die zeigen, wie es doch zuweilen im richtigen Leben und Sammeln zugeht.

Es war einmal . . . so schreib ich jetzt einfach, da ich nicht mehr so genau weiß, in welchem Jahr es war. Mit einer lieben Freundin fuhr ich in den Kräutergarten Artimisia, nahe Oberstaufen. Nach einiger Zeit kam es mir so vor, als ob ich in eine andere – für mich passendere – Welt versetzt wäre. Wir erkundeten die verschiedenen Kraftplätze und kamen dann auch zu einem Waldrand, mit kräftigen Fichten umsäumt. Jagdmanns Heil – und ich ging los, um Allgäuer Fichtenharz zu sammeln. Natürlich habe ich mich offenbart und den Hüter des Waldes um Erlaubnis gebeten, ‚a bisserl‘ Harz mitnehmen zu dürfen. Aber er sah wohl in mein dunkles Herz und wußte: der will nicht nur mehr, sondern viel viel mehr. Voll des Sammeldrangs ging ich in den Wald, und das einzige, was mir auffiel, war ein stetiger, leicht zunehmender Gegenwind. Und – von Harz keine Spur. So trat ich aus dem Wald heraus, und siehe da, der Wind ließ nach und es war wieder ganz lau. Spannend! Ich ging wieder zum Wald zurück, der Wind erwachte von neuem, und Harz gab’s auch keines, also trat ich den Rückweg an. Das wiederholte ich noch ein paarmal. Dann ließ ich es bleiben, schon aus der Sorge heraus, dass mir so ein grantiger Baumgeist einen Ast auf mein Haupt fallen lässt.

Zeitenwechsel – im nächsten Jahr zu Ostern.

Wieder fuhren wir zu ‚unserer‘ Kräutergärtnerei. Es war ein kaltes Osterfest. Als wir ankamen und uns erstmal mit Kaffee und einen Riesenstück wohligem Kuchen gestärkt hatten, holte ich mir vom Chef die Erlaubnis, auf seinem Grundstück mit meiner mitgeführten Djembe trommeln zu dürfen. Er war sogar froh darum, damit die Energien in Schwung kommen.

Wir suchten uns einen Platz aus, an dem ich ungestört trommeln konnte. Doch es war nicht nur ein unfreundliches Wetter, sondern es war auch eine harzige Trommelei. Sicherlich tat sich da einiges, aber es war anstrengend und kalt. Nach einer Zeit – ich weiß nicht mehr wie lange ich meine Hände übers Trommelfell tanzen ließ – wollte ich den Platz wechseln. Auch die Sitzerei auf dem halb gefrorenen Stein war nicht so erquicklich.

Ein Stück weiter oben – am besagten Waldesrand – gab es eine kleine, offenen Hütte. Da konnte ich zumindest gut sitzen und war auch vom Wind geschützt. Und los ging’s wieder. Dieses mal war das Trommeln freudig, leicht, meine Hände huschten nur so dahin und die urbanen Klänge zogen über die noch schlafenden Felder und ins neblige Tal. Schnelle Rhythmen, getragen von tiefen Tönen erfüllten nun den Platz – und ich war mal wieder nicht auf dieser Welt. Irgendwann war ich dann fertig, die Hände schön warm getrommelt und machte mich wieder auf den Weg in den Fichtenwald. Kein Wind der mir entgegengrimmte, keine Bitte von mir um Harz. Und doch war alles anders, als beim ersten mal. Viele der knorzigen Bäume zeigten mir nun ihre goldglänzenden Schätze. Es gab Harz im Überfluß. Doch, wo war der bei meinem ersten Besuch? Dieser Weihrauch war hart und reif, also nicht frisch. Na klar, ich konnte nicht widerstehen und nahm gerne meine Gage in Harz an, was fast zwei Hände voll ausmachte.

Rauchige Grüße sendet Euch
Euer Walter

Unser Autor Walter Siegl arbeitet seit 30 Jahren „energetisch“. Er trommelt, hält Rituale ab und seit einigen Jahren beschäftigt er sich intensiver mit dem Thema „Räuchern“. Inzwischen gibt er Seminare zum Thema und stellt selbst Räuchermischungen her.

Seinen Shop findet Ihr hier:  www.waldviertler-raeucherwerkstatt.at

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