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Von der Liebe zu den Vögeln

| Anders Leben | 4. Juli 2017

Es gab eine Zeit, in der ich Vögel nicht großartig beachtet habe. Ich erinnerte mich an ihren Gesang in lauen Sommernächten und hatte ab und zu einen Kollateralschaden durch meine drei Katzen. Alles änderte sich im Sommer 2003. Ich hatte mir zum Geburtstag eine Vision-Suche in den italienischen Alpen geschenkt. Am Tag unserer Anreise konnten wir die Zelte noch nicht aufbauen, weil die Seilbahn streikte. Also schliefen wir in Schlafsäcken auf der Wiese und ich war fasziniert vom alpinen Nachthimmel. Plötzlich zog eine große Sternschnuppe über mich hinweg, was ich als Zeichen nahm, für eine erfolgreiche Visions-Suche und schlief bald darauf ein.

Am nächsten Abend waren die Zelte da und wir begannen mit dem Aufbau. Plötzlich entdeckte ich einen fedrigen Ball neben meinem Zelt. Ich hob ihn auf und sah, dass es ein kleiner Vogel war, offensichtlich aus den Nest geplumpst. Ich machte mich gleich auf die Suche nach geeignetem Futter für den Kleinen. Der Almbauer identifizierte ihn als jungen Buchfink, riet mir aber, ihn an einen Baum zu setzen und „der Natur ihren Lauf zu lassen“, im Klartext: Ein Marder oder eine Schlange wird ihn fressen. Das konnte ich aber nicht über mich bringen. Es fand sich Hirsebrei, in den ich ein paar Fliegen hinein rührte und den Vogel zu füttern begann.

Bereits am dritten Tag saß der Kleine auf meiner Schulter oder Kopf, wo immer ich hinging. Die Männer der Gruppe belächelten mich, bis auf Shanti, den Leiter der Visions-Suche. Ich nannte den Kleinen „Birdie“ und er hüpfte fröhlich auf dem Frühstückstisch unserer Waldkantine herum, wobei er keine Scheu vor den anderen Teilnehmern hatte. Ich nahm ihn auch mit zu meinem Platz, als es Zeit war für das dreitägige Fasten, allein auf dem Berg. Für Birdie gab es selbstverständlich Hirsebrei mit kleingehacktem Ei und Insekten, für mich nur Quellwasser.

Er gedieh prächtig. Die Flaumfedern waren einem schönen Federkleid gewichen und ich begann, ihm zu zeigen, wie er kleine Insekten von Gräsern picken konnte. Außerdem ermutigte ich ihn, zu fliegen, indem ich ihn auf einem Bäumchen absetzte und zu mir lockte. Es war faszinierend, wie schnell ein kleiner Vogel lernt. In der letzten Nacht flog er auf einen höheren Baum, um dort zu schlafen und kehrte am Morgen zu mir zurück. Als wir gemeinsam wieder im Lager eintrafen, von Trommeln begrüßt, war er der Star und durfte sogar mit ins Tipi. Niemand hätte das für möglich gehalten. In den vier Tagen Nachbereitung wurde er immer selbstständiger und konnte schließlich allein überleben.

Die Beziehung zu Birdie veränderte meine Sicht auf die Vögel, die ich heute als eine große Bereicherung meines Lebens betrachte. In meinem Garten hängen überall Futterhäuschen und wenn die Meisen, Spatzen, Stare und Grünfinken ihre Jungen zu den Futterplätzen bringen, bin ich im puren Entzücken.

Unsere Kolumnistin Karina Brenk-Ramirez war viele Jahre lernend in der Welt unterwegs, unter anderem in England und Westafrika. Von 1986 bis 2004 führte sie den spirituellen Buchladen namens AVALON in Kassel. Jetzt lebt sie als Therapeutin in Kassel und gibt ihre Erfahrung in Seminaren, Jahresgruppen und Workshops weiter und zelebriert die Rituale der Erde.

Momentan schreibt sie an ihrem zweiten Buch „Kraft Quelle Jahreskreis“.

Hier gibt es weitere Informationen über sie: www.avalon-seminare.de

   

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