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Shirodhara – der Stirnölguss

| Heilung | 1. Oktober 2018

… und seine therapeutische Dimension

Kaum eine Methode versinnbildlicht mehr den Ayurveda als der Stirnölguss. Auf fast allen Werbematerialien prangt ein Foto mit einer schönen Frau, die es genießt, Öl auf ihren Kopf zu bekommen. Weniger bekannt sind die therapeutischen Einsatzmöglichkeiten des Shirodhara.

Shirodhara gehört nicht zu den bekannten inneren Reinigungsverfahren des Panchakarma. Vielmehr handelt es sich um eine Spezialität aus dem südindischen Bundesstaat Kerala, der als Wiege des Ayurveda gilt.

Die Methode

Shiro bedeutet Kopf und Dhara Guss, damit ist schon die Methode erklärt. Über mehrere Tage wird jeweils 30 – 45 Minuten lang – von Tag zu Tag ansteigend – ein gleichmäßiger Guss mit einem 39 Grad warmem mediziniertem Sesamöl, über die Stirn gegossen. In rhythmischer Weise wird der Topf geschwenkt und somit der Ölstrahl von der rechten zur linken Stirnseite gelenkt.

„Mediziniert“ bedeutet in diesem Fall, dass es sich um Sesamöle handelt, die mit speziellen Kräuterabkochungen vermischt und weiter gekocht wurden. Bei einigen Ölen gibt es noch Zusätze von Ghee, Milch oder Kokosöl. Ziel ist es, dem Öl eine kühlende Note zu geben, da nach ayurvedischen Gesetzmäßigkeiten eine Erhitzung des Kopfes nicht zuträglich ist. Ein ständig erwärmter Kopf führt nach dem Ayurveda zu Haarausfall, frühzeitigem Ergrauen der Haare und zur Überhitzung der Nerven.

Die Wirkung des Shirodara entsteht auch durch die Kräuter, die über die Kopfhaut einziehen. Es gibt eine große Anzahl spezieller Kopföle nach klassischen Rezepturen für die verschiedensten Beschwerden im Kopfbereich.

Einsatzmöglichkeiten und Kontraindikationen

Die klassischen Indikationen sind innere Anspannung und Stress, psychosomatische Leiden, Schlafstörungen, chronische Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Depressionen, Halbseitenlähmung und Gesichtslähmung. Der Ölstirnguss ist angezeigt bei einer Erhöhung des Luftelementes – im Ayurveda Vata-Dosha genannt – also Störungen, die mit einer nervösen Unruhe einhergehen. Bei einer feurigen Problematik mit einer Pitta-Erhöhung wird der Buttermilchguss bevorzugt.
Nicht gemacht werden sollte Shirodhara bei Halswirbelsäulen-Blockaden, Schwindel, Kopfschmerzen, niedrigem Blutdruck und während der Menstruation.

Wirkung

Auf neuronaler Ebene wirkt der Stirnguss über die Stimulation der Kopfhaut auf das Gehirn.

Trigeminusnerv, Thalamus und cerebraler Cortex werden stimuliert, der Sympathikus wird gehemmt. Die Neurotransmitteraktivität der Katecholamine (Stresshormone) und des „Glückshormons“ Serotonin wird positiv beeinflusst.
Auf psychologischer und mentaler Ebene kommt es über den Ausgleich der Gehirnhälften zu einer tiefen inneren Ruhe und über die Aktivierung des 3. Auges zu einer Art Gedankenleere.

Bei psychischen, seelischen und Problemen traumatischer Natur können während des Stirngusses unverarbeitete Gefühle auftauchen, was einen entsprechenden Rahmen in der Therapie erfordert. Wenn ein unverarbeitetes Thema vorhanden ist, so ist die Anwesenheit eines Therapeuten wesentlich. Bei bekannten unverarbeiteten Traumata ist die Verfügbarkeit eines entsprechend ausgebildeten Traumatherapeuten unerlässlich. Für eine stabile Persönlichkeit mag ein entspannender Stirnguss in einem Hotel oder Wellness-Spa-Bereich in Ordnung sein. Man sollte sich aber über die tiefgehende Wirkung einer solchen Behandlung bewusst sein.

Wichtig: fahren Sie mindestens 2 Stunden nach einem Stirnguss kein Auto, die Wahrnehmung kann sich zunächst stark verändert haben.

Erfahrungen in meiner Praxis

Der Stirnguss findet in meiner Praxis als Einzelanwendung oder im Rahmen unserer 12-tägigen Panchakarma-Kur statt: Hier gibt es nach dem Abführ- und dem Aufbautag je nach Person und Situation zwei Shirodharas an unterschiedlichen Tagen. Die Reaktion reicht von „ich habe kaum etwas gemerkt“ bis zu spirituellen Erfahrungen, wie z.B. dem Gefühl, den Körper nicht mehr richtig zu spüren und trotzdem wach zu sein, anhaltende Glücksgefühle, eine tiefe innere Ruhe, ein komplettes Sein im Hier und Jetzt – ohne Gedanken und Gefühlsbewegungen.

Manchmal ist der Stresspegel so hoch, dass das Loslassen eine Weile dauert und vielleicht erst während der zweiten oder dritten Behandlung gelingt. Manchmal fühlt man sich sogar gereizter als vorher, weil die Verinnerlichung durch den Guss die eigenen seelischen Vorgänge erst richtig bewusst macht. Es ist eine sehr schöne stille und meditative Methode. Oft beobachten konnten wir während der Kur Stimmungsaufhellungen der Kurgäste, eine Verbesserung des Schlafs und eine allgemeine Beruhigung und Entspannung. Hierbei muss angemerkt werden, das die Gesamtheit von verschiedenen Therapien, Nahrungsergänzungsmitteln, Ernährung und einem regelmäßigen Tagesablauf zur Verbesserung nach Stresszuständen und Burnout beitragen.

Studien

Die Studienlage ist zwar erst am Anfang, doch auch sehr verheißungsvoll. Zwar gibt es keine groß angelegten klinischen Studien, man kann sich denken warum: Es fehlt hierfür einfach an Geld. Es gibt kleinere Studien mit i.d.R. 30 Teilnehmern aus indischen Ayurveda-Colleges. Beispielsweise wurde eine Studie von Dr. Pradeep BC vom Ayurveda-College Mysore veröffentlicht. Es wurden 44 Testpersonen ausgesucht, die keine weiteren schweren Erkrankungen hatten und von 30 – 70 Jahre alt waren. 30 von ihnen beendeten die Studie.

Das Programm bestand aus sieben Tagen Shirodhara mit dem Kräuteröl Kshirabala Thailam, von jeweils 45 Minuten Dauer und der 30tägigen inneren Einnahmen eines ayurvedischen Kräuterpräparates, das 3 mal täglich verabreicht wurde. Es bestand aus insgesamt 34 bekannten ayurvedischen Kräutern wie z.B. Jatamansi, Arjuna, Sarpagandha, Brahmi, Shilajit, Triphala usw. Zudem hielten die Probanden eine Diät ein: wenig Salz, fettarm, kein Alkohol, kein Rauchen, stressige Situationen meiden.

Das Ergebnis war erstaunlich:

Durchschnitt vor Behandlung nach Behandlung
Systole: Diastole (liegend) 157,6 : 94,5 133,5 : 80 mmHg
Systole (sitzend) 154,6 : 95,1 133,1 : 77,5 mmHg
Systole (stehend) 151,5 : 91,6 128,5: 78,5 mmHg

Diese Ergebnisse sind hochsignifikant bei einer zugegeben recht dünnen Datenlage. Zudem gab es bemerkenswerte Verbesserungen von Symptomen wie Kopfschmerz, Schlafstörungen, Schwindel, Müdigkeit. Keine deutliche Verbesserung gab es bei Brustschmerz und Herzrasen.

Weitere Studien über Depressionen, Schlaflosigkeit und ADHS brachten ebenfalls gute Ergebnisse. Eine Studie über Migräne brachte immerhin mittlere Ergebnisse.

Fazit: Da Shirodhara das psychoneuroimmunologische System zu beeinflussen scheint, wirkt es stressreduzierend und gleichsam auf stressbedingte Symptome wie Unruhe, Schlaflosigkeit, Kopfschmerz, Depressionen usw. Alle Studien machen deutlich, dass dieser Effekt durch die gleichzeitige Einnahme von entsprechenden Heilpflanzen, durch andere Methoden wie Nasenreinigung (Nasya) und einer angepassten Diät und Lebensstil stark erhöht wird. Deutlich wird auch, dass eine Reihe von Güssen an aufeinander folgenden Tagen nötig ist, um diesen Effekt zu erzielen.

Quellennachweis:

  • Essentielle Hypertonie und Shirodhara: Medical College Mysore, Autor: Dr Pradeep B C, Studie: 2014 veröffentlicht
  • Depressionen und Shirodhara: Hospital Jaipur + National Institute of Ayurveda Artikel: Dr. Ashwini V. Fulzele
  • Schlafstörungen und Shirodhara: Autor; Dr Sapan Jain Ayurvedic Medical College Shankarpur, Nagpur 2014.
  • ADHS und Shirodhara: Dr Nisha K. Ojha * Dr Abhimanyu Kumar** Dr Moti Rai***
  • Migräne und Shirodhara: Autor: Mridul Ranajan vom Gujarat Ayurved University in Jamnagar zusammen mit Professoren aus Jaipur 2015 veröffentlicht.

Erklärung

Ayurvedische Therapien zielen darauf ab, die Selbstheilungskräfte des Menschen zu aktivieren. Trotz einiger Hinweise zu einzelnen Indikationen gebe ich weder ein Heilversprechen oder Heilgarantien durch die von mir angewendeten Methoden, noch fordere ich jemanden auf, auf die Konsultation bei einem Arzt zu verzichten oder eine bereits laufende Therapie abzubrechen.

Unser Autor Roman Kupsa ist Heilpraktiker und hat mehr als 13 Jahre Erfahrung als Ayurveda-Therapeut Er leitet und begleitet Panchakarma-Kuren im Ayurveda-Hotel in Sagasfeld im Wendland in eigener Naturheilpraxis. Ein großes Anliegen ist ihm neben der Therapie von Erkrankungen, das Ayurveda ein umfassendes System der Gesundheitsvorsorge ist, was er in Beratungen und Seminaren in Sagasfeld und in seiner Dozententätigkeit im Ayurveda Campus Schwerin vermittelt.

Weitere Informationen: www.ayurveda-naturheilpraxis.com

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