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Verlernbare Krankheiten

| Andreas Winter | 2. April 2019

Denkst Du anders, lebst Du anders. Zum Sinn und Unsinn von Glaubenssätzen.

Als Diplompädagoge habe ich mich in den letzten drei Jahrzehnten der geisteswissenschaftlichen Erforschung menschlichen Verhaltens gewidmet. Ich ging der Frage nach „Wie lernen wir und was macht das Gelernte mit uns?“ Vieles, das wir lernen ist sinnvoll und nützlich, macht uns zu dem, was wir als Mensch sind.

Doch im Laufe meiner Forschung wurde immer deutlicher, dass nicht alles, was wir lernen, von Vorteil für uns ist. Manches kann uns in seinen Auswirkungen sogar schaden und krank machen kann. Die Rede ist von den so genannten falschen oder blockierenden Glaubenssätzen.

Dazu gehören Sätze wie: „Zu viel Essen macht dick“, „Rauchen ist schädlich“ oder „Eine Allergie ist eine Krankheit“. Auch sehr verbreitet ist der Gedanke, dass man ohne Disziplin und Anstrengung nicht erfolgreich wird. Doch sind diese Glaubenssätze beweisbar? Wird jeder, der zuviel isst, dick? Wird jeder Raucher krank? Kann man Allergien nur mit Medikamenten wieder loswerden?

Was ist mit den virtuosen Malern, Musikern, Sportlern und Unternehmern? Haben die sich alle mühevoll gequält, um Spitzenklasse zu werden, oder war es nicht vielleicht die absolute Begeisterung für diese Tätigkeit, die sie so erfolgreich machte. Was ist mit Mick Jagger, MC Escher, Michael Schumacher oder Onassis? Und wenn es doch eine Ausnahme, nur eine einzige Ausnahme unter allen Beispielen gäbe, dann bedeutet das doch, es muss für jeden von uns diese Chance zur Ausnahme geben. Eine wissenschaftliche Forderung lautet: Bei einer Ausnahme eines Phänomens müssen wir versuchen, den dahinterstehenden Mechanismus zu entdecken, zu isolieren und dann allen verfügbar machen.

Wissen und Gewissen, Glauben und Glaubenssätze – was ist das eigentlich?

Beginne ich, wie es sich für einen anständigen Wissenschaftler gehört, zunächst mit der Begriffsklärung: Was ist eigentlich Wissen? Allgemein versteht man darunter einen Bestand an Fakten und Theorien und Regeln, der einen höchstmöglichen Grad an Gewissheit innehat. Das Ergebnis wird als Gültigkeit oder Wahrheit angesehen. Und was ist Glauben? „Glauben“ wird „Wissen“ gegenübergestellt. Rational betrachtet hat „Wissen“ offenbar eine höhere kognitive Qualität als Glauben. Wir wollen etwas „wissen“ und nicht einfach nur „glauben“. Doch im Johannes Evangelium heißt es, Jesus hätte zum ungläubigen Thomas gesagt: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh. 20, 29)

„Glauben“ scheint also offenbar die moralisch höhere Qualität zu besitzen. Wir wollen wissen, sollen aber besser glauben. Nun erklärt uns aber ausgerechnet die Wissenschaft, dass es mit dem Wissen so eine Sache ist. Wir kennen alle optische Täuschungen, Fata Morganas oder auch Wahrnehmungs- und Interpretationskonflikte, wie das berühmte halbleere, oder halbvolle Glas. Zudem bescherte uns die Quantenphysik einen Schock nach dem nächsten: Bewusstsein hat einen Einfluss auf die Realität. Nichts ist, sondern alles findet nur statt und es gibt keine feste Materie in der Welt. Alle Materie besteht aus Information. Eine Information ist die Abweichung zwischen zwei Zuständen.

Wir können alternativ Schwingung, Impuls, Reiz oder auch Welle dazu sagen. Letztlich geht es um Unterschiede. Diese Unterschiede zu registrieren und abzuspeichern ist „Denken“. Dieses Denken, also das Verarbeiten, Vernetzen und Speichern von Informationen beginnt beim Menschen übrigens weder mit der Einschulung, noch mit der Geburt, sondern bereits mit der dritten Schwangerschaftswoche. In dieser Zeit entwickeln sich die ersten Nervenzellen und verschalten sich aufgrund von Reizen. Die hauptsächliche Menge an Reizen bekommen wir durch Neurotransmitter des mütterlichen Blutes. Diese chemischen Botenstoffe sind verantwortlich für riesige Datenmengen, Emotionen genannt. Das Kind spürt also schon lange vor der Geburt, wie sich Freude, Traurigkeit, Eifersucht oder Mangel anfühlt – aufgrund der mütterlichen Emotionen und hält diese zudem für die eigenen.

Unterm Strich bedeutet dies: Es gibt gar kein „Wissen“, keine absolute Wahrheit und somit keine materielle Sicherheit. „Glauben“ ist also ein anderes Wort für „Vertrauen“. Somit: Selbstvertrauen und Fremdvertrauen. Das impliziert die Risikobereitschaft, etwas ungeprüft hinzunehmen. „Wissen“ hingegen ist „Kontrolle“. Wer etwas wissen will, versucht, bewusste Kontrolle und damit Sicherheit zu erlangen. Wenn es also heißt, „selig sind die, die nicht wissen und doch glauben“, könnte damit gemeint sein, dass man mit Selbstvertrauen eine höhere Lebensqualität hat, als mit der Angst vor Kontrollverlust. Und mit diesem Selbstvertrauen knackt man wiederum die falschen Glaubenssätze, denn nur, weil alle anderen etwas für eine in Stein gemeißelte Wahrheit halten, ist es damit noch lange keine solche.

Wenn zu viel Essen dick machen würde, dann müssten absolut alle Menschen, die zuviel essen, übergewichtig sein. Das betrifft rund 5-6 Milliarden Menschen, denn der durchschnittliche Kalorienverbrauch wäre mit einer Handvoll Nüsse am Tag locker abgedeckt. Aber die meisten Menschen haben ihren Stoffwechsel auf pures Verschwenden eingestellt, sodass die eine Tonne Nahrung, die wir jährlich zu uns nehmen, einfach ausgeschieden wird – bis auf die wenigen Dinge, die als rar, selten oder verboten, aber leider kostbar, lecker und begehrenswert gehalten werden. Bei einer Diät isst man noch immer mehr, als der Körper braucht, hat aber dabei die Information, Essen sei erlaubt und die Speise wäre emotional nicht besonders wertvoll, weil sie nicht mit positiv besetzen Erlebnissen aus der Kindheit verknüpft ist.

Genauso ist es beim Rauchen. Die Zigarette ist ein Symbol für Mündigkeit, Freiheit, Erwachsensein. Diese Symbolwirkung entfaltet sich bei jedem ersten Zug an der Zigarette sofort. Erleichterung ist spürbar. Dass Rauchen nicht krank macht, hat ausgerechnet der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt bewiesen. Er rauchte bis zu 80 Zigaretten am Tag und wurde immerhin 96 Jahre alt. Jeder Raucher müsste vom Rauchen krank werden, wenn es einen grundsätzlichen Zusammenhang zwischen rauchen und Krankheit gäbe. Ebenso kann man einfach alle anderen Glaubenssätze auf Kausalität prüfen, um sich gegebenenfalls wieder von ihnen zu trennen.

Gewissen, um diesen Begriff noch zu klären ist ein erworbenes Wertesystem, welches mit den eigenen Bedürfnissen im Konflikt steht. Im Vergleich zu Überzeugungen. Diese sind für denjenigen, der sie hat, positiv. Das (schlechte) Gewissen zwingt einen zu Dingen, die mit den eigenen Emotionen kollidieren. Das Problem dabei ist, dass bei Gewissensanweisungen Stresshormone ausgeschieden werden. Stress wiederum blockiert und kann auf Dauer krank machen. Dinge mit Überzeugung zu tun macht nicht krank, auch nicht dick und auch nicht erfolglos!

Die entscheidende Frage, um sich zu befreien lautet: Wem habe ich geglaubt, also ungeprüft vertraut? Jemandem, der sich gut fühlt im Leben, zufrieden, gesund und erfolgreich ist? Was wäre, wenn ich mir selbst weiterhin vertraut hätte? Wenn ich nicht dem vertraue, der kein positives Vorbild ist, sondern mir selbst, bekomme ich dann nicht die Chance auf ein anderes Ergebnis?

Jedes Kind weiß, dass man von Gräsern und Katzenhaaren nicht krank, vom Rauchen nicht süchtig und von Disziplin nicht erfolgreicher wird, als der, der dasselbe mit Begeisterung macht. Jedes Kind weiß, dass wenn es nicht müde ist, es auch keinen Schlaf braucht und wenn es keinen Hunger hat, braucht es auch nichts zu essen. Dann kommt das Gewissen und redet einem ein, alles, was man glaubt, wäre falsch. Und das ist dann leider tatsächlich falsch.

Wer also anders über die Dinge denkt, der ist plötzlich wieder entscheidungsfrei. Und damit lebt es sich künftig ganz anders.

Andreas Winter, Jahrgang 1966 ist Diplompädagoge und Autor zahlreicher tiefenpsychologischer Ratgeberbücher. Zu seinen größten Erfolgen gehören:
„Nikotinsucht die große Lüge“, „Abnehmen ist leichter als zunehmen“ und „Heilen ohne Medikamente“ alle erschienen im Mankau Verlag, Murnau.

andreas_winter_portrait_2016Diplompädagoge und Institutsleiter Andreas Winter, Jahrgang 1966, hat in den letzten Jahren eine sehr individuelle und effektive Coaching-Methode entwickelt.
Er ist Autor zahlreicher tiefenpsychologischer Ratgeberbücher. Zu seinen größten Erfolgen gehören: „Nikotinsucht die große Lüge“, „Abnehmen ist leichter als zunehmen“ und „Heilen ohne Medikamente“ alle erschienen im Mankau Verlag, Murnau.

Weitere Infos:
Andreas Winter Coaching
Bahnhofsplatz 2
58644 Iserlohn
Telefon: +49 (0) 2371 9233520
www.andreaswinter.de

Termine zu seiner neuen Vortragsreihe „Denkst Du anders – Lebst Du anders!“ gibt es hier: www.andreas-winter-live.de

Babyfoto von Regina Petkovic auf Pixabay

  

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